Geschichten aus Neandertal
Lilo Häfner Verlag
Leseprobe
…..Ich habe Angst, entsetzliche Angst, Roger, dass es mich vernichten wird. Ich habe bald keinen Panzer mehr. Ich bin nämlich dabei. Die können mir noch jahrelang ihre Geschichten vorlesen aus ihren Anklageschriften, das kümmert mich einen Dreck…..
…..Aber dann kommen diese Toten aus der Grabkammer zurück und zeigen auf die Angeklagten, zeigen auf die Verteidiger, auf mich, auf dich, Roger, und ihre Anklage erhebt sich auf einer Plakatwand so groß wie der Himalaya. Sie waren dort, und keiner kann was für das Wunder, dass sie entkommen sind und Zeugnis ablegen. Hat auch keiner damals damit gerechnet, sonst hätten sie sich nicht so frech gezeigt überall im Lager, die Schergen, hätten sich vielleicht getarnt…..
…..Übrigens: für den Fall, dass dieser Brief einem Fremden in die Hand fällt: ich glaube zwar, dass diese Frau Lächert, die heute neben ihrem Anwalt sitzt und u. a. eines Verbrechens angeklagt ist, das undenkbar ist, dass diese Frau identisch ist mit der Nazihyäne, die die Zeugen die „blutige Brygida“ nennen, und alle zittern und weinen, wenn sie von ihr erzählen, obwohl nichts Schreckliches zu sehen ist an einer netten alten Dame. Ja, das glaube ich, aber ich werde mich hüten, zu sagen, sie sei es, bevor das Urteil verkündet ist. Noch ist Frau Lächert also nicht die blutige Brygida, das ist notwendig festzuhalten, die hängen dir nämlich bei jedem Furz einen Verleumdungsprozess an den Hals bis zum Nimmerleinstag, sie scheuen vor nichts zurück…..